Warnstreiks an Universitätskliniken in Deutschland: Gründe, Auswirkungen auf München und Köln und mögliche Folgen für Österreich.
Im Januar 2026 kam es in zahlreichen deutschen Universitätskliniken zu Arbeitsniederlegungen und Warnstreiks, die vor allem vom nichtärztlichen Gesundheitspersonal getragen wurden. Pflegefachkräfte, medizinisch-technische Dienste, Laborpersonal und Verwaltungsmitarbeitende beteiligten sich an den Aktionen, zu denen die Gewerkschaft ver.di im Rahmen der laufenden Tarifverhandlungen des öffentlichen Dienstes der Länder (TV-L) aufgerufen hatte. Besonders deutlich spürbar waren die Auswirkungen in Köln und München, zwei der wichtigsten Krankenhausstandorte Deutschlands.
Auch wenn es sich bislang nicht um einen unbefristeten Streik handelt, verdeutlicht der Umfang der Proteste – mit Beteiligung von über 20 Universitätskliniken bundesweit – die Tiefe des Konflikts und die wachsende Unzufriedenheit im Gesundheitswesen.
Warnstreiks mit deutlichen Auswirkungen auf den Klinikalltag
Während der Streiktage kam es vor allem zu Einschränkungen bei geplanten Operationen, elektiven Behandlungen und ambulanten Terminen. Die Krankenhäuser betonten jedoch, dass die Notfallversorgung, Intensivstationen und medizinisch nicht aufschiebbare Leistungen durch zuvor vereinbarte Notdienstregelungen jederzeit sichergestellt waren.
An der Uniklinik Köln, einem der größten Universitätskliniken Europas, wurden für die Streiktage am 13. und 14. Januar zahlreiche geplante Eingriffe abgesagt oder verschoben. Gewerkschaftliche Schätzungen zufolge konnten in einzelnen Bereichen bis zu zwei Drittel der geplanten Operationen nicht durchgeführt werden. Vergleichbare Situationen wurden auch aus Bonn, Düsseldorf, Essen und weiteren Kliniken in Nordrhein-Westfalen gemeldet.
In München beteiligten sich sowohl das LMU Klinikum als auch das Klinikum der Technischen Universität München (TUM / Rechts der Isar) an den Warnstreiks am 27. und 28. Januar. Die Klinikleitungen informierten Patientinnen und Patienten frühzeitig über mögliche Verzögerungen und empfahlen, Termine vorab zu überprüfen, während die Notfallversorgung ausdrücklich garantiert blieb.
Ursachen des Konflikts: Entlohnung, Anerkennung und Arbeitsbelastung
Auslöser der Streiks ist die laufende Tarifrunde zum TV-L, der die Arbeits- und Entgeltbedingungen für Beschäftigte des öffentlichen Dienstes der Länder regelt. Die Gewerkschaften fordern eine Lohnerhöhung von 7 Prozent, mindestens jedoch 300 Euro mehr pro Monat, sowie 200 Euro zusätzlich für Auszubildende. Hinzu kommen Forderungen nach verbesserten Zuschlägen für Schicht-, Nacht- und Wechseldienst, die insbesondere im Krankenhausbereich eine zentrale Rolle spielen.
Aus Sicht vieler Beschäftigter geht es dabei nicht allein um Einkommen, sondern um Wertschätzung und langfristige Perspektiven. In Interviews und Stellungnahmen ist immer wieder von hoher Arbeitsdichte, Personalmangel und zunehmender Erschöpfung die Rede. Gerade in Universitätskliniken mit hoher medizinischer Komplexität empfinden viele Beschäftigte die derzeitigen Rahmenbedingungen als nicht mehr angemessen.
Die Arbeitgeberseite, vertreten durch die Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL), weist die Forderungen bislang zurück. Sie verweist auf begrenzte finanzielle Spielräume der Länder und plädiert für moderate Anpassungen orientiert an der Inflation, verbunden mit längeren Laufzeiten der Tarifverträge. Diese Haltung stößt bei den Gewerkschaften auf deutliche Kritik und gilt als Hauptgrund für die Eskalation der Tarifauseinandersetzung.

Breite Unterstützung durch das Personal
Die Beteiligung an den Warnstreiks fiel regional unterschiedlich aus, war insgesamt jedoch erheblich. Am Universitätsklinikum Jena beteiligten sich an einem Streiktag rund 300 Beschäftigte, in Essen nahmen etwa 230 Mitarbeitende an zweitägigen Aktionen teil. In Nordrhein-Westfalen sprachen Gewerkschaften von über 1.000 Teilnehmenden bei koordinierten Protesten mehrerer Kliniken.
Auffällig ist, dass sich die Streiks überwiegend auf nichtärztliches Personal konzentrieren. Ärztinnen und Ärzte sind in der Regel nicht beteiligt, da ihre Tarifverträge separat verhandelt werden. Damit rückt insbesondere die Rolle der Pflege und der unterstützenden Gesundheitsberufe in den Fokus, ohne die der Krankenhausbetrieb nicht aufrechterhalten werden kann.
Auswirkungen über den Streik hinaus
Auch wenn die Arbeitsniederlegungen zeitlich begrenzt sind, haben sie eine grundsätzliche Debatte neu entfacht: Wie wettbewerbsfähig ist der öffentliche Krankenhaussektor als Arbeitgeber? Steigende Lebenshaltungskosten, hohe Verantwortung und dauerhaft hohe Belastung treffen auf Vergütungsmodelle, die aus Sicht vieler Beschäftigter nicht mehr zeitgemäß sind.
Krankenhausleitungen betonen, dass sie selbst keinen direkten Einfluss auf die Tarifverhandlungen haben. Gleichzeitig weisen sie darauf hin, dass wiederkehrende Arbeitskonflikte die Versorgungsplanung erschweren, Patientinnen und Patienten verunsichern und die Stabilität der Teams beeinträchtigen.
Blick über die Grenze: Könnte sich diese Situation auf Österreich ausweiten?
Angesichts der Entwicklungen in Deutschland stellt sich die Frage, ob ähnliche Konflikte auch in Österreich entstehen könnten. Beide Länder verfügen über vergleichbare öffentlich finanzierte Gesundheitssysteme, eine starke Rolle der Spitäler und ähnliche Herausforderungen beim Fachkräftemangel, insbesondere in der Pflege.
Zwar unterscheidet sich das österreichische System in der Tarifstruktur, die häufig stärker regional und berufsbezogen organisiert ist. Zudem wurden in mehreren Bundesländern in den vergangenen Jahren gezielte Maßnahmen zur Verbesserung der Bezahlung und zur Arbeitszeitreduktion eingeführt, um die Attraktivität des Pflegeberufs zu erhöhen.
Dennoch wirkt der deutsche Arbeitskampf als Warnsignal. Steigende Arbeitsbelastung, demografischer Wandel und internationaler Wettbewerb um qualifiziertes Gesundheitspersonal machen deutlich, dass auch in Österreich langfristige Lösungen notwendig sind. Sollte es nicht gelingen, Arbeitsbedingungen und Vergütung dauerhaft an die Realität im Klinikalltag anzupassen, könnten vergleichbare Spannungen mittelfristig auch dort sichtbar werden.
Die aktuellen Streiks in Deutschland sind daher weniger als kurzfristiges Ereignis zu verstehen, sondern vielmehr als Symptom eines strukturellen Problems, das viele europäische Gesundheitssysteme betrifft: die nachhaltige Sicherung von Personal, Qualität und Versorgung.
Quellen: ZDF, Deutschlandfunk, Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB), ver.di, Universitätskliniken Köln, Bonn und München.
- ZDFheute
Warnstreiks an mehr als 20 Universitätskliniken – Beschäftigte erhöhen Druck in Tarifverhandlungen
ZDF, Januar 2026.
https://www.zdfheute.de/politik/deutschland/universitaetskliniken-streik-verdi-beschaeftigte-100.html - Deutschlandfunk
Warnstreiks an Universitätskliniken fortgesetzt – Auswirkungen auf geplante Behandlungen
Deutschlandfunk, Januar 2026.
https://www.deutschlandfunk.de/warnstreiks-an-unikliniken-fortgesetzt-102.html - The Local Germany
Where hospital and public service strikes are impacting Germany this week
The Local, Januar 2026.
https://www.thelocal.de/20260113/where-hospital-and-public-service-strikes-are-impacting-germany-this-week - Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB)
Tarifrunde öffentlicher Dienst der Länder: Forderungen und aktueller Stand
DGB, Januar 2026.
https://www.dgb.de/service/weiterer-service/tarifmeldungen/tarifmeldung/tarifrunde-oeffentlicher-dienst-arbeitgeber-ohne-konkretes-angebot/ - Universitätsklinikum Köln
Warnstreiks am 13. und 14. Januar 2026 – Auswirkungen auf den Klinikbetrieb
Offizielle Mitteilung, Januar 2026.
https://www.uk-koeln.de/uniklinik-koeln/aktuelles/detailansicht/warnstreiks-am-13-und-14-januar-2026/ - Universitätsklinikum Bonn
Hinweis zu angekündigten Streikmaßnahmen am 27. und 28. Januar 2026
Offizielle Mitteilung, Januar 2026.
https://www.ukbonn.de/aktuelles/hinweis-zu-angekundigten-streikmassnahmen-am-27-und-28-januar-2026/ - LMU Klinikum München
Warnstreik der Gewerkschaft ver.di – Informationen für Patientinnen und Patienten
Offizielle Mitteilung, Januar 2026.
https://www.lmu-klinikum.de/newscenter/newsmeldungen/warnstreik-der-gewerkschaft-ver-di/ - Ärzteblatt
Tarifkonflikt: Warnstreiks an mehr als 20 Universitätskliniken
Deutsches Ärzteblatt, Januar 2026.
https://www.aerzteblatt.de/news/tarifkonflikt-warnstreiks-an-mehr-als-20-universitatskliniken
t-online München
Streik an Münchner Unikliniken: Beschäftigte fordern höhere Löhne
t-online, Januar 2026.
https://muenchen.t-online.de/region/muenchen/id_101100274/streik-an-muenchner-unikliniken-beschaeftigte-fordern-lohnerhoehung.html
