Nachhaltige Pflegepersonalgewinnung in Österreich: Mitarbeiterbindung, Einarbeitung und Fluktuationsreduktion

Heute planen, um morgen gut zu versorgen
Nachhaltige Personalgewinnung und Mitarbeiterbindung in der Pflege in Österreich
Der Jahreswechsel ist für Krankenhausleitungen, Pflegedirektionen und Personalverantwortliche in Österreich ein natürlicher Zeitpunkt für Rückschau und strategische Planung. Gleichzeitig fällt diese Phase mit einer Realität zusammen, die längst strukturell geworden ist: dem Mangel an Pflegefachkräften, einer erhöhten Fluktuation und den daraus resultierenden organisatorischen und finanziellen Belastungen.
Vor diesem Hintergrund geht es nicht mehr nur darum, offene Stellen zu besetzen, sondern darum, Pflegepersonal nachhaltig zu gewinnen und langfristig zu binden. Aus unserer langjährigen Erfahrung – sowohl als Pflegefachkräfte in unterschiedlichen Gesundheitssystemen als auch als spezialisierte Recruiter – zeigt sich, dass nachhaltige Lösungen immer das Ergebnis eines konsistenten Gesamtansatzes sind.
Zentrale Ursachen für Unzufriedenheit in der Pflege

Diskrepanz zwischen Erwartung und Arbeitsrealität
Ein häufiger Auslöser für Unzufriedenheit ist die Diskrepanz zwischen den Erwartungen vor Dienstantritt und der tatsächlichen Arbeitssituation. Diese betrifft unter anderem die Arbeitsbelastung, den Einsatzbereich, Personalschlüssel, Dienstmodelle sowie die konkret erwarteten Aufgaben.
Hinzu kommt, dass der schrittweise Aufbau von Verantwortung im Rahmen der Einarbeitung nicht immer ausreichend transparent dargestellt wird. In österreichischen Einrichtungen gilt dieser Prozess vielfach als selbstverständlich, ist jedoch für internationale Pflegefachkräfte nicht in jedem Fall unmittelbar nachvollziehbar.
Hospitationen, Probetage oder Schnuppertage sind bewährte und wichtige Instrumente, um Pflegefachkräfte und Einrichtungen einander näherzubringen. Es ist nachvollziehbar und sinnvoll, dass Krankenhäuser zukünftige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor einer endgültigen Einstellung gut kennenlernen möchten. Gleichzeitig ist es hilfreich, bei bereits berufstätigen Pflegefachkräften auch deren zeitliche Rahmenbedingungen zu berücksichtigen. Ein ausgewogenes Verständnis beider Perspektiven sowie eine transparente und realistische Kommunikation von Beginn an tragen wesentlich dazu bei, Enttäuschungen zu vermeiden und einer frühzeitigen Fluktuation vorzubeugen.
Fehlende strukturierte Begleitung in der Anfangsphase
Die ersten Monate nach Arbeitsbeginn sind besonders für internationale Pflegefachkräfte entscheidend. Fehlen klare Strukturen, fixe Ansprechpersonen oder ein stabiles Mentoring, entstehen Unsicherheit und Überforderung.
Die Einarbeitung ist eine der großen Stärken des österreichischen Gesundheitssystems. Gerade vor dem Hintergrund des Personalmangels sollte sie nicht verkürzt oder unstrukturiert erfolgen. Eine gut geplante Einarbeitung ist eine Investition in Qualität, Sicherheit und Mitarbeiterbindung
Unterschätzte sprachliche und kulturelle Herausforderungen
Auch bei formal ausreichenden Deutschkenntnissen stellen klinische Kommunikation, Umgangssprache und Teamdynamiken eine Herausforderung dar.
Pflegefachkräfte, die motiviert nach Österreich kommen, profitieren stark von empathischer Begleitung und kontinuierlicher sprachlicher Unterstützung. Mit der richtigen Unterstützung entwickeln sie sich zu stabilen und hoch engagierten Teammitgliedern
Begrenzte Entwicklungs- und Weiterbildungsperspektiven
Fehlende Entwicklungsmöglichkeiten wirken sich unmittelbar auf Motivation und Bindung aus. Dabei müssen Fortbildungen nicht aufwendig sein.
Regelmäßige interne Kurzschulungen, fachliche Inputs oder kurze Fallbesprechungen – vorbereitet von Mitgliedern des eigenen Teams – fördern Fachkompetenz, Austausch und Teamidentifikation
Gefühl, nicht gehört oder wertgeschätzt zu werden
Die Qualität der Zusammenarbeit im Team, die Beziehung zu Führungskräften und eine offene Kommunikation sind entscheidend für stabile Pflegeteams.
Formate, die Feedback, Kooperation und Anerkennung fördern, wirken stabilisierend – insbesondere in belastenden Phasen
Was Pflegefachkräfte wirklich schätzen

Pflegefachkräfte benennen klar, was für Zufriedenheit und langfristige Bindung entscheidend ist:
Transparenz von Beginn an
Verlässliche Rahmenbedingungen
Echte Integration ins Team
Begleitung in der Anpassungsphase:
Eine strukturierte, organisierte und vollständige Einarbeitung ist insbesondere in der Pflege ein zentraler Erfolgsfaktor. Aus unserer Erfahrung in der Begleitung von rund 1.000 Pflegefachkräften zeigt sich klar, dass eine gut geplante Einarbeitungsphase die Zufriedenheit sowie die positive Wahrnehmung der neuen Einheit deutlich erhöht und die Wahrscheinlichkeit einer langfristigen Bindung und erfolgreichen Zusammenarbeit maßgeblich steigert.
Professioneller Respekt
Entwicklungsmöglichkeiten:
Sowie eine ausgewogene Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben.
Arbeitsbelastung:
Pflege ist ein anspruchsvoller Beruf mit Belastungsspitzen. Arbeitgeber, die diese Leistung anerkennen und kompensieren – etwa durch Wertschätzung, freie Tage oder Ausgleichsmodelle – verändern die Wahrnehmung solcher Phasen nachhaltig.
Wohnlösung und Unterstützung in der Anfangsphase:
Ein weiterer Aspekt, der von Pflegefachkräften besonders geschätzt wird, ist die Möglichkeit einer unterstützenden Wohnlösung in der Anfangsphase, insbesondere bei einem Wechsel in eine neue Stadt. Gerade in den ersten Monaten stellt eine solche Unterstützung durch den Arbeitgeber eine erhebliche Erleichterung dar und trägt zu einem sicheren und geordneten Start in den Berufsalltag bei.
Auf Basis unserer Erfahrung entscheidet sich der Großteil der Pflegefachkräfte bei einem Ortswechsel für jene Einrichtungen, die zumindest für die ersten Monate eine Wohnmöglichkeit oder Unterstützung bei der Wohnungssuche zu fairen und leistbaren Konditionen anbieten. Diese Form der Unterstützung reduziert den organisatorischen und emotionalen Druck in der Anfangszeit deutlich und ermöglicht es den neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, sich von Beginn an auf die Einarbeitung, die Integration ins Team und die pflegerische Tätigkeit zu konzentrieren
Diese Form der Unterstützung reduziert den Stress in der Anfangsphase erheblich, erleichtert die Orientierung vor Ort und ermöglicht es den Pflegefachkräften, sich von Beginn an auf ihre Einarbeitung und die Integration ins Team zu konzentrieren. Für viele stellt eine solche Wohnlösung ein ausschlaggebendes Kriterium bei der Jobentscheidung dar.
Eine abschließende Reflexion zum Jahresbeginn
Der Beginn eines neuen Jahres bietet die Gelegenheit, bestehende Prozesse zu hinterfragen, Routinen zu überprüfen und Entscheidungen mit einer langfristigen Perspektive zu treffen. In Zeiten des Pflegepersonalmangels ist Mitarbeiterbindung in der Pflege keine Option mehr, sondern eine strategische Notwendigkeit.
Gesundheitseinrichtungen, die auf eine realistische Personalgewinnung, eine sorgfältige Einarbeitung und eine professionelle Zusammenarbeit auf Augenhöhe setzen, schaffen stabile, motivierte und engagierte Pflegeteams. Dabei geht es nicht um allgemeingültige Lösungen, sondern darum, die individuellen Rahmenbedingungen jeder Einrichtung sowie die Erwartungen der Pflegefachkräfte zu verstehen.
Bei HRmed begleiten wir Krankenhäuser und Kliniken, die die Rekrutierung und Bindung von Pflegefachkräften bewusst, realistisch und nachhaltig gestalten möchten. Ein offener fachlicher Austausch und die gemeinsame Analyse der jeweiligen Ausgangssituation bilden aus unserer Erfahrung die Grundlage für tragfähige und langfristige Lösungen.